Giardien Behandlung
Über die Behandlung von Giardien wird viel diskutiert und viele Halter haben unterschiedliche Erfahrungen über Wirkung und Resistenzen gemacht. Aus diesem Grund findet man viele unteschiedliche Aussagen und Standpunkte.
Bevor man mit der Behandlung beginnt, sollte man sich über grundlegende Prinzipien bei der Giardieninfektion im klaren sein:
| - | Keine Behandlung hat einen 100% Wirkungsgrad, erwarten Sie also gerade bei größeren Gruppen keinen 100% Behandlungserfolg im ersten Behandlungszyklus, bei einem positiven Ergebnis muss die Behandlung einfach wiederholt werden. | |
| - | Wirkstoffe aus der gleichen Wirkstoffgruppe wirken auch gleich. Wenn die Parasiten Resistenzen zeigen, macht ein Wechsel auf einen anderen Wirkstoff der gleichen Gruppe keinen Sinn - hier hilft nur ein Wechsel zu einer anderen Gruppe. Sind z.B. die Giardien gegen Fenbendazol (Panacur) resistent, bringt ein Wechsel auf Albendazol (Valbazen) oder Flubendazol (Flubenol) natürlich nichts - sinnvoll ist hier ein Wechsel auf Metronidazol. | |
| - | Giardienzysten sind sehr wiederstandandsfähig, das wichtigeste bei der Behandlung ist die gründliche Reinigung der Käfige. Gut dafür geeignet sind Dampfstrahler. Die handelsüblchen "Dampfenten" unterstützen zwar die Reinigung, sind jedoch keine wirkliche Gefahr für Giardienzysten. Testen Sie einfach ihr Dampfgerät. Wenn sie in 10 cm Abstand die Hand vor den Dampfstrahl halten können (was bei den meisten Dampfenten möglich ist), dann können Sie davon ausgehen, dass das Gerät für die Zysten keine Gefahr darstellt. | |
| - | Tests haben Reaktionsszeiten und Nachlaufzeiten. Ein verschwinden der Giardien wird vom Test erst etwa 7-10 Tage später angezeigt, d.h. wenn der Test negativ ist, ist die Behandlung bereits seit 7 Tagen erfolgreich. |
Aufgrund dieser vielen unterschiedlichen Faktoren können unterschiedliche Halter ganz unterschiedliche Erfahrungen gemacht haben. Dies bedeutet jedoch keinesfalls, dass ein eBehandlung, die bei einem Halter nicht auf Anhieb funktioniert hat, nicht bei anderen funktioniert. Genauso gibt es keine Garantie, dass eine geänderte Behandlung, die nach einer erfolglosen durchgeführt wird, zuverlässig funktioniert. Möglicherweise wurde auch da durch eine vorhergehende Behandlung der Giardien anteil bereits ausreichend reduziert. Die vom Halter als "erfolgreich" empfundene Behandlung hätte möglicherweise nicht funktioniert, wenn nicht vorher die "erfolglose" Behandlung entsprechende Vorarbeit geleistet hätte.
Medikamente
Derzeit werden unterschiedliche Wirkstoffe aus 2 verschiedenen Wirkstoffgruppen bei der Behandlung von Giardien eingesetzt. Die Wirkstoffgruppe Nitroimidazole (Metronidazol, Dimetridazol etc.) und der Benzimidazole (Fluobendazol, Fenbendazol, Albendazol etc.). Diese Wirkstoffe unterschieden sich hautsächlich in der Verkaufsform und kleineren Vor- und Nachteilen – diese kleinen Vor- und Nachteile machen die Eignung für Unterschiedliche Halter aus:
Wirkstoffguppe der Nitroimidazole.
Diese Gruppe umfasst Wirkstoffe wie z.B. Metronidazol, Dimetridazol, Thinidazol etc.. Die Gruppe wirkt direkt auf die DNA der Parasiten (und auch einiger Bakterien). Die Wirkstoffe sind allgemein gut verträglich, aufgrund der Wirkung gegenüber Bakterien sollte bei Bedarf ein darmunterstützendes Mittel gegeben werden.
Metronidazol wird häufig eine geringe Wirksamkeit nachgesagt (etwa 50%), allerdings findet sich für diese Behauptng keine Bestätigung. Es ist fast nur in Tablettenform (alernativ Injektionslösung) verfügbar und wird von den Tieren ungern genommen, da es im Maul stark aufschäumt. Hier sollte man versuchen, die Tabletten zu Pulver zu zerkleinern und mit Wasser oder Apfelsaft vermengt über eine Spritze einzugeben. Alternativ kann auch Dimetridazol- Pulver verwendet werden.
[ Infos zum Wirkstoff ]
Dimetridazol wird häufig bei Vögeln, gelegentlich auch bei Katzen und beim Menschen eingesetzt. Es unterscheidet sich in der Wirkungsweise kaum vom Metronidazol.
[ Infos zum Wirkstoff ]
Wirkstoffgruppe der Benzimidazole
Das effektivste der Mittel ist Fluobendazol, gefolgt von Fenbendazol und mit etwas Abstand Albendazol. Alle drei Wirkstoffe gehören zur Wirkstoffgruppe der Benzimidazole und wirken auf gleiche Weise auf die Parasiten, Albendazol unterscheided sich jedoch in seinem chemischen Verhalten im Körper der Tiere. Genauere Infos zur Wirkungsweise, auch gegenüber den Parasiten haben wir hier noch einmal zusammengestellt:
[ Wirkungsweise der Benzimidazole ]
Flubendazol (Flubenol) ist effektiv, wird von den Tieren relativ gut genommen und ist bei vielen Tierärzten verfügbar,
wird aber nur als teure Paste verkauft. Dadurch eignet es sich hauptsächlich für Halter mit wenigen Tieren die das Medikament direkt geben wollen.
[ Infos zum Wirkstoff ]
Fenbendazol (Panacur) ist das gängige Mittel zur Giardienbehandlung in Deutschland. Es ist geringfügig weniger effektiv, eignet sich aufgrund des günstigen Preises und der flüssigen Form gut für Halter mit mehreren Tieren oder für Halter, die das Medikament über das Trinkwasser geben wollen. Es ist sehr verträglich bei Überdosierung und es gibt keine auffälligen Berichte bei Schwangerschaft. Fenbendazol ist auch die gängige Empfehlung der meisten Tierärzte.
[ Infos zum Wirkstoff ]
Albendazol (Valbazen) wirkt allerdings agressiver auf das Tier und ist etwa 30% weniger wirkungsvoll als das vergleichbare Fenbendazol. Es ist bei Überdosierung weniger verträglich und weist dann einige Nebenwirkungen auf (Unfruchtbarkeit bei längerer Gabe, Auswirkungen auf die Föten,Verdauungsprobleme).
Aufgrund einer besondern Eigenschaften eines der Albendazol- Metaboliten stellt es jedoch möglicherweise ein höheres Risiko der Resistenzbildung dar und sollte deshalb nur in begründeten Fällen eingesetzt werden.
[ Infos zum Wirkstoff ]
Gabeformen
Direkte Gabe ist die empfehlenswerte Form der Medikamentengabe. Beide Medikamente (Valvazen, Panacur) können direkt oral gegeben werden. Panacur scheint allerdings von den Tieren nicht so gerne genommen zu werden. Allerdings ist eine Verdünnung mit Apfelsaft möglich, die Tier nehmen das Medikament verdünnt mit Apfelsaft meist gerne an. gerade bei Valbazen ist aufgrund der Gefahr der Überdosierung eine direkte Gabe zu bevorzugen.
Die Gabe über das Trinkwasser ist für Züchter mit einer größeren Anzahl von Tieren (30+) meist die einzig praktikable Möglichkeit. Allerdings muss hier berücksichtigt werden, dass die Tier unterschiedlich viel trinken, von daher muss das Medikament ausreichend dosiert werden (meist also leicht überdosiert) damit das einzelne Tier ausreichend Wirkstoff aufnimmt. Da die Tiere eben unterschiedlich viel Flüssigkeit aufnehmen, kann es durchaus sein dass die Tiere bis zum 2-3 fachen überdosiert den Wirkstoff aufnehmen. Da Panacur bei Überdosierung deutlich verträglicher ist, bietet es sich besonders für die Gabe über das Trinkwasser an.
Behandlungszeiträume
Auch bei den Bahandlungszeiträumen scheiden sich die Geister. Einige Halter/Züchter empfehlen die Gabe über 40 Tage durchgehend, andere die Zyklengabe. Nach einer Studie der Parasitologie der Uniklinik München zu Giardien gibt es derzeit eine mündliche Empfehlung über eine Zyklengabe 6 Tage Behandlung, 6 Tage Pause, 6 Tage Behandlung.
Die Zyklengabe ist die weltweit gängige Behandlungsmethode. Die Zeiträume unterscheiden sich, aber das Grundprinzip bleibt gleich. Generell wird für einen bestimmten Zeitraum behandelt (i.d.R. 3-6 Tage), dann wird pausiert (3-10 Tage) und dann wird die Behandlung wiederholt. Bei Bedarf wird diese Zyklenbehandlung fortgesetzt.
Die konstante Gabe setzt darauf, eine Reinfektion durch eine Gabe des Medikaments über einen langen Zeitraum zu verhindern. Zu diesem Zweck wird über einen entsprechend langen Zeitraum behandelt.
Bitte sprechen sie jede Medikamentengabe/Behandlungsform/Behandlungszeitraum mit einem Tierarzt ab.